Veröffentlicht am Mai 21, 2024

Ein Top-Lebenslauf allein öffnet Ihnen in Basel keine Türen; der Erfolg hängt vom Verständnis der lokalen Spielregeln ab.

  • Die Konzentration von Firmen schafft eine einzigartige „Coopetition“-Dynamik, die man kennen muss.
  • Spezifisches Wissen über Schweizer Standards (z.B. Swissmedic) ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Mitbewerbern.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich weniger auf Massenbewerbungen und mehr auf strategisches Networking an den richtigen Orten und die gezielte Aneignung von Nischenwissen.

Der Ruf des Schweizer „Pharma-Valleys“ rund um Basel ist legendär. Als internationales Talent mit Ambitionen in den Life Sciences sehen Sie die Namen Roche, Novartis und unzählige aufstrebende Biotech-Firmen und denken: Das ist der Ort, an dem ich sein muss. Viele glauben, ein exzellenter Abschluss und ein beeindruckender Lebenslauf seien die goldene Eintrittskarte. Sie polieren ihr LinkedIn-Profil, versenden Dutzende Bewerbungen und warten auf die Einladung zum Gespräch.

Doch dieser Ansatz greift oft zu kurz. Was, wenn der wahre Schlüssel nicht nur in Ihren Qualifikationen liegt, sondern im Verständnis der unsichtbaren Spielregeln dieses einzigartigen Ökosystems? Die hohe Dichte an Talenten und Unternehmen hat eine Kultur mit eigenen Codes geschaffen. Wer diese nicht kennt, bleibt trotz fachlicher Brillanz oft aussen vor. Es geht nicht nur darum, *was* Sie können, sondern *wie* und *wo* Sie Ihr Wissen positionieren.

Dieser Artikel ist Ihr Insider-Briefing. Als Recruiter in dieser Branche zeige ich Ihnen die Hebel, die wirklich zählen. Wir werden die oft übersehenen, aber entscheidenden Aspekte beleuchten: von den spezifischen regulatorischen Anforderungen, die Sie zum Top-Kandidaten machen, über die ungeschriebenen Gesetze der lokalen Networking-Szene bis hin zur wahren Bedeutung von Sprachkenntnissen jenseits des Labors. Vergessen Sie die generischen Karrieretipps. Hier erfahren Sie, wie Sie die Dynamik des Basler Clusters für sich nutzen.

Dieser Leitfaden ist in präzise Abschnitte gegliedert, die Ihnen helfen, eine effektive Strategie für Ihren Karrierestart in Basel zu entwickeln. Jeder Teil beantwortet eine kritische Frage, die Sie sich auf Ihrem Weg stellen werden.

Warum werden Experten für Zulassungen händeringend gesucht und top bezahlt?

Wenn Sie an eine Karriere in der Pharmaindustrie denken, kommen Ihnen wahrscheinlich Forschung und Entwicklung in den Sinn. Doch eine der lukrativsten und gefragtesten Nischen in der Schweiz ist die der regulatorischen Angelegenheiten (Regulatory Affairs). Der Grund ist einfach: Die Schweiz ist zwar im Herzen Europas, aber nicht in der EU. Das bedeutet, dass jedes Medikament, das auf den Schweizer Markt kommt, ein separates Zulassungsverfahren bei der Swissmedic durchlaufen muss, zusätzlich zur EMA-Zulassung für die EU. Diese regulatorische Divergenz ist der entscheidende Punkt.

Unternehmen benötigen dringend Fachleute, die die spezifischen Anforderungen und Prozesse der Swissmedic im Detail verstehen. Dies ist kein Wissen, das man einfach aus einem Lehrbuch lernt. Es erfordert praktische Erfahrung. Kandidaten, die nachweisen können, dass sie erfolgreich Produkte durch den Schweizer Zulassungsprozess navigiert haben, sind Gold wert. Sie sparen Unternehmen Millionen und verkürzen die Zeit bis zur Markteinführung erheblich.

Für internationale Fachkräfte bietet sich hier eine riesige Chance. Während viele sich auf globale oder europäische Rollen konzentrieren, ist die Spezialisierung auf den Schweizer Markt ein klarer Karriere-Booster. Der Einstieg gelingt oft über kleinere Beratungsfirmen, wo man breite Erfahrung mit verschiedenen Produktkategorien sammelt, bevor man zu einem Grosskonzern mit einem Top-Gehalt wechselt. Der Bedarf ist so hoch, weil dieses Wissen nicht leicht zu ersetzen ist und direkt zum Geschäftserfolg beiträgt.

Die Fokussierung auf diese Nische ist somit kein Umweg, sondern eine strategische Abkürzung zu einer einflussreichen und hochdotierten Position im Herzen des europäischen Pharmamarktes.

Was zahlt der Konzern, wenn Sie für den Job in die Schweiz ziehen?

Die Vorstellung von hohen Schweizer Lebenshaltungskosten schreckt viele internationale Talente ab. Was oft übersehen wird: Die grossen Pharma- und Biotech-Unternehmen in Basel sind sich dessen bewusst und kämpfen aggressiv um die besten Köpfe. Ein wesentlicher Teil ihrer Strategie sind grosszügige Relocation-Pakete, die den Übergang so reibungslos und attraktiv wie möglich gestalten sollen. Diese Pakete sind weit mehr als nur ein Zuschuss für den Umzug; sie sind ein entscheidendes Werkzeug im „War for Talent“.

Ein typisches Paket deckt nicht nur die reinen Umzugskosten ab, sondern bietet umfassende Unterstützung. Dazu gehören die Übernahme der Kosten für eine temporäre Unterkunft für ein bis drei Monate, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Beratung bei der Schulanmeldung für Kinder und sogar die erste Steuerberatung. Laut Branchenexperten sind finanzielle Unterstützungen erheblich; so berichtet Prime Relocation über typische Relocation-Pakete, die zwischen CHF 6.000 und CHF 10.000 allein für die temporäre Unterkunft und zusätzliche Pauschalen von CHF 5.000 bis CHF 15.000 für den Umzug umfassen können.

Relocation-Agent unterstützt internationale Fachkraft bei Behördengängen in Basel

Diese Unterstützung ist entscheidend, denn sie ermöglicht es Ihnen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Ihren neuen Job und das Ankommen in einer neuen Kultur. Ein Relocation Agent, der Ihnen bei den komplexen Schweizer Behördengängen zur Seite steht, ist oft Teil von Premium-Paketen und nimmt Ihnen eine enorme Last von den Schultern.

Die Unterschiede zwischen den Paketen können gross sein, wie die folgende Übersicht zeigt. Es lohnt sich, dies in den Gehaltsverhandlungen als wichtigen Punkt anzusprechen, denn ein gutes Paket kann den finanziellen Wert des Angebots erheblich steigern.

Vergleich von Standard- vs. Premium-Relocation-Paketen
Leistung Standard-Paket Premium-Paket
Temporäre Unterkunft 30 Tage 90 Tage
Umzugspauschale CHF 5.000 CHF 15.000
Steuerberatung 1 Sitzung Vollständige erste Steuererklärung
Relocation Agent Nicht enthalten 6 Monate Support
Schulsuche Informationsmaterial Aktive Unterstützung

Diese Investition der Unternehmen zeigt, wie sehr sie qualifizierte Fachkräfte schätzen. Ein gutes Relocation-Paket ist nicht nur eine finanzielle Hilfe, sondern auch ein klares Zeichen der Wertschätzung und ein Indikator für eine positive Unternehmenskultur.

Der Fehler im Umgang mit Biostoffen: Welche Standards sind in der Schweiz Pflicht?

Ein Bereich, in dem absolut keine Kompromisse geduldet werden, ist die Biosicherheit. Viele internationale Bewerber machen den Fehler, ihre Erfahrungen mit Sicherheitsstandards in ihrem Lebenslauf zu verallgemeinern. Angaben wie „erfahren im Umgang mit Laborprotokollen“ sind in Basel wertlos. Hier zählt Präzision. Die Schweizer Standards, insbesondere die Richtlinien des Eidgenössischen Fachbeirats für Biosicherheit (EFBS) und die Anforderungen der Swissmedic, sind extrem streng und gelten als globaler Massstab.

Unternehmen wie Roche, deren pRED (Pharma Research and Early Development) Center in Basel als Benchmark für die Branche dient, investieren massiv in hochmoderne Labore mit den strengsten Sicherheitsprotokollen für alle BSL-Stufen (Biosafety Levels). Sie erwarten von ihren Mitarbeitern nicht nur, dass sie diese Standards kennen, sondern dass sie diese verinnerlicht haben und proaktiv anwenden. Jeder Fehler kann zu katastrophalen Konsequenzen führen, sowohl für die Gesundheit als auch für die Reputation des Unternehmens.

Daher müssen Sie in Ihrer Bewerbung Ihre Expertise in diesem Bereich explizit und quantifizierbar machen. Es ist ein fataler Fehler, anzunehmen, dass Ihre bisherigen Erfahrungen ausreichen. Sie müssen zeigen, dass Sie den „Swiss Standard“ verstehen und erfüllen können. Dies umfasst detaillierte Kenntnisse der Guten Laborpraxis (GLP), der Guten Herstellungspraxis (GMP) und spezifischer Dokumentationsanforderungen. Wenn Sie diese Expertise nicht klar kommunizieren, signalisieren Sie, dass Sie ein potenzielles Risiko darstellen – und Ihre Bewerbung landet sofort auf dem Absagenstapel.

Ihr Aktionsplan: CV-Optimierung für Biosicherheitsexpertise

  1. Geben Sie spezifische BSL-Stufen (z.B. BSL-2, BSL-3) an, mit denen Sie gearbeitet haben, und nennen Sie die Anzahl der Jahre.
  2. Listen Sie alle relevanten GLP/GMP-Zertifikate mit Ausstellungsdatum und Gültigkeitsdauer auf.
  3. Erwähnen Sie explizit Ihre Kenntnisse der EFBS-Richtlinien, um Ihre Vertrautheit mit dem Schweizer System zu beweisen.
  4. Heben Sie Ihre Erfahrung mit Swissmedic-konformer Dokumentation hervor, falls vorhanden.
  5. Quantifizieren Sie Ihre Teilnahme an Sicherheitstrainings und Ihre Erfahrung in Audits (z.B. „an 5 internen Sicherheitsaudits teilgenommen“).

Betrachten Sie Ihre nachgewiesene Kompetenz in der Biosicherheit nicht als eine formale Anforderung, sondern als Ihr stärkstes Verkaufsargument. Es zeigt, dass Sie verantwortungsbewusst, präzise und vertrauenswürdig sind – Eigenschaften, die in der Schweizer Arbeitskultur von unschätzbarem Wert sind.

Brauchen Sie Deutschkenntnisse, wenn im Labor nur Englisch gesprochen wird?

Dies ist eine der am häufigsten gestellten und am meisten missverstandenen Fragen. Die Antwort ist differenziert: Ja, Sie können in den meisten Laboren und internationalen Teams in Basel problemlos nur mit Englisch arbeiten. Die Arbeitssprache in der Forschung und Entwicklung ist fast ausnahmslos Englisch. Doch wer glaubt, Deutsch sei daher irrelevant, begeht einen strategischen Fehler, der die Karrierechancen langfristig stark einschränkt.

Der Arbeitsplatz ist nur ein Teil des Lebens und der Karriere. Die Integration in die lokale Kultur, der Aufbau von Beziehungen ausserhalb des direkten Teams und das Verständnis für die Nuancen der Schweizer Mentalität sind entscheidend für den Aufstieg in Führungspositionen. Ohne Deutschkenntnisse bleiben Sie im „Expat-Bubble“. Sie können zwar Ihren Job machen, aber Sie werden kaum zum Mittagessen mit Kollegen aus der Buchhaltung gehen, die Schweizerdeutsch sprechen, oder die Diskussionen in der Kaffeeküche verstehen. Genau dort findet oft der informelle Austausch statt, der Türen öffnet.

Besonders deutlich wird dies in der einzigartigen Grenzgänger-Situation Basels. Tausende Fachkräfte pendeln täglich aus Deutschland und Frankreich, wo die Lebenshaltungskosten niedriger sind. Diese Dynamik führt dazu, dass im städtischen Alltag und in vielen Dienstleistungsbereichen Deutsch (oder Schweizerdeutsch) die dominierende Sprache ist. Wer hier nicht mithalten kann, ist im Alltag isoliert. Noch wichtiger: Sobald eine Position Personalverantwortung für lokale Mitarbeitende oder eine Schnittstellenfunktion zu anderen Abteilungen beinhaltet, werden zumindest gute Deutschkenntnisse fast immer zur Voraussetzung. Unternehmen wollen Führungskräfte, die alle ihre Teammitglieder erreichen können, nicht nur die internationalen.

Die Investition in einen Deutschkurs ist also keine lästige Pflicht, sondern eine der intelligentesten Investitionen in Ihre langfristige Karriere in der Schweiz. Sie zahlt sich nicht nur in Beförderungen aus, sondern auch in einer reicheren persönlichen Erfahrung.

Wann und wo treffen Sie die Entscheidungsträger der Basler Pharma-Szene?

Sich ausschliesslich online zu bewerben, ist in einem so dichten und beziehungsorientierten Cluster wie Basel eine Strategie mit geringen Erfolgsaussichten. Die wichtigsten Kontakte werden oft persönlich und in einem informellen Rahmen geknüpft. Die Frage ist also nicht *ob*, sondern *wo* und *wann* Sie die relevanten Personen treffen. Sie müssen dorthin gehen, wo die Branche zusammenkommt. Glücklicherweise bietet Basel unzählige Gelegenheiten dafür.

Die Atmosphäre ist so konzentriert, dass man fast zwangsläufig auf Branchenkollegen trifft. Wie Christof Klöpper, CEO von Basel Area Business & Innovation, es treffend formuliert:

If you’re in a bar, the chances are quite high that the person next to you will be a life sciences person.

– Christof Klöpper, PharmaVoice

Sich allein auf den Zufall zu verlassen, ist jedoch nicht zielführend. Es gibt eine Reihe von hochkarätigen und oft niederschwelligen Veranstaltungen, bei denen Sie gezielt Entscheidungsträger, Teamleiter und HR-Manager treffen können. Diese Events sind oft viel effektiver als jede formale Bewerbung, weil sie einen persönlichen Eindruck ermöglichen.

Networking-Event im modernen Basel Innovation Hub mit Life Sciences Professionals

Ihre Strategie sollte es sein, regelmässig an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, zuzuhören und gezielt ins Gespräch zu kommen. Seien Sie neugierig, stellen Sie intelligente Fragen und vermeiden Sie es, sofort nach einem Job zu fragen. Ziel ist es, einen positiven Eindruck zu hinterlassen und eine Beziehung aufzubauen. Hier sind einige der wichtigsten Anlaufstellen:

  • Basel Area Business & Innovation Apéros: Dies sind monatliche Themen-Events, die eine hervorragende Plattform bieten, um sich über aktuelle Trends zu informieren und mit wichtigen Akteuren in Kontakt zu treten.
  • Basel Innovation Hub Meetups: Diese finden oft direkt bei grossen Unternehmen wie Johnson & Johnson statt und bieten Einblicke in deren Arbeit sowie direkten Zugang zu Mitarbeitern.
  • Veranstaltungen im Bio-Technopark Schlieren (Zürich): Auch wenn es nicht direkt in Basel ist, ziehen diese Events Entscheidungsträger aus der ganzen Schweiz an und sind die kurze Reise wert.
  • Events der Swiss Biotech Association: Der Branchenverband organisiert regelmässig Konferenzen und Networking-Anlässe, die ein Muss für jeden sind, der in der Branche Fuss fassen will.

Denken Sie daran: In Basel wird man nicht nur eingestellt, weil man qualifiziert ist, sondern auch, weil man bekannt ist und ins Team passt. Diese Events sind Ihre Bühne, um genau das zu beweisen.

Warum ballern sich Pharmafirmen in Basel und was bringt das?

Auf den ersten Blick erscheint die extreme Konzentration von hunderten Life-Science-Unternehmen auf engstem Raum widersprüchlich. Warum sollten Konkurrenten wie Roche und Novartis ihre Hauptsitze nur wenige Kilometer voneinander entfernt unterhalten und damit den Wettbewerb um die besten Talente anheizen? Die Antwort liegt in einem Konzept namens „Coopetition“ – einer Mischung aus Kooperation und Wettbewerb, die das gesamte Ökosystem antreibt.

Diese Standortlogik schafft einen positiven Kreislauf: Die Anwesenheit von Giganten zieht einen riesigen Pool an hochqualifizierten Fachkräften, spezialisierten Zulieferern und exzellenten Forschungseinrichtungen (wie die Universität Basel und die ETH Zürich) an. Dieser Talentpool wiederum macht den Standort für weitere Unternehmen – von kleinen Start-ups bis hin zu internationalen Konzernen – unwiderstehlich. Ein Beispiel dafür ist BeOne Medicines (ehemals BeiGene), das 2025 seinen Hauptsitz wegen des einzigartigen Zugangs zu Talenten nach Basel verlegte. Die Unternehmen konkurrieren zwar um Mitarbeiter und Marktanteile, profitieren aber gleichzeitig enorm von der gemeinsamen Infrastruktur und dem Wissensaustausch.

Die Investitionen sind gigantisch und zementieren diese Vormachtstellung. Allein die Investitionen von Roche in die Standortentwicklung Basel/Kaiseraugst zwischen 2009 und 2030 belaufen sich auf über CHF 5.8 Milliarden. Dieses Engagement schafft Stabilität und eine langfristige Perspektive, die für Fachkräfte äusserst attraktiv ist. Es bedeutet Jobsicherheit und die Gewissheit, dass selbst bei einem Jobwechsel der nächste Top-Arbeitgeber nur eine Strasse weiter ist.

Fallstudie: Coopetition in der Praxis

In Basel konkurrieren über 800 Life-Science-Unternehmen um die besten Talente, kooperieren aber gleichzeitig in vorkompetitiven Bereichen, wie der gemeinsamen Förderung des Forschungsstandorts. Ein Beispiel ist Johnson & Johnson: Anstatt einfach lokale Firmen aufzukaufen, hat der Konzern entschieden, eigene Forschungsdivisionen in Basel aufzubauen, um direkt vom vorhandenen Talentpool und der Innovationskultur zu profitieren. Dies zeigt, dass die Stärke des Clusters nicht nur in den einzelnen Firmen, sondern im gesamten Netzwerk liegt.

Ihre Karriere in Basel ist nicht an ein einziges Unternehmen gebunden, sondern an ein ganzes Ökosystem. Das gibt Ihnen eine Flexibilität und Sicherheit, die kaum ein anderer Standort auf der Welt bieten kann.

Wie knüpfen Sie Kontakte zur Wirtschaft, solange Sie noch im Labor sind?

Für viele Wissenschaftler in akademischen Laboren scheint die kommerzielle Welt der Pharmaindustrie weit entfernt. Man ist in seine Forschung vertieft und der Weg in ein Unternehmen wie Roche oder Novartis wirkt unklar. Doch gerade aus der akademischen Welt heraus gibt es exzellente und oft unterschätzte Wege, um strategische Kontakte zur Wirtschaft aufzubauen – lange bevor man überhaupt eine Bewerbung schreibt.

Der Schlüssel liegt darin, die eigene Forschung nicht nur als wissenschaftliches Projekt, sondern als potenzielle Lösung für ein kommerzielles Problem zu betrachten. Unternehmen sind ständig auf der Suche nach Innovationen, die aus den Universitäten kommen. Der klassische und erfolgreichste Weg ist der über Spin-offs und Technologietransfer. Ein Paradebeispiel ist die Erfolgsgeschichte von Glycart Biotechnology. Das Unternehmen startete im Jahr 2000 als Spin-off der ETH Zürich. Nur fünf Jahre später wurde es von Roche übernommen. Die von Glycart entwickelte Technologie führte direkt zur Entwicklung des Blockbuster-Krebsmedikaments Gazyva, das allein 2022 einen Umsatz von CHF 730 Millionen generierte. Diese Geschichte zeigt den idealtypischen Weg vom Labor zum Konzern.

Sie müssen jedoch nicht gleich ein eigenes Unternehmen gründen. Es gibt strukturierte Wege, um die Brücke zur Industrie zu schlagen:

  • Industrie-PhD-Programme: Grosse Unternehmen wie Novartis und Roche bieten in Kooperation mit der Universität Basel oder der ETH Zürich spezielle PhD-Programme an. Dies ist der direkteste Weg, um Unternehmenskultur kennenzulernen und ein internes Netzwerk aufzubauen.
  • Technology Transfer Offices (TTOs): Institutionen wie „Unitectra“ sind darauf spezialisiert, Forschungsprojekte mit kommerziellem Potenzial zu identifizieren und den Kontakt zur Industrie herzustellen. Sie sind Ihre besten Verbündeten.
  • Start-up-Accelerators: Programme wie BaseLaunch sind darauf ausgelegt, wissenschaftliche Ideen zur Marktreife zu bringen. Selbst wenn Sie nicht gründen, bieten die Events und das Mentoring wertvolle Kontakte.
  • Übersetzen Sie Ihre Forschung: Lernen Sie, Ihre Arbeit in der Sprache der Wirtschaft zu präsentieren: Welches Problem lösen Sie? Was ist die Lösung? Welchen kommerziellen Wert hat sie?

Nutzen Sie die einzigartige Nähe von universitärer Spitzenforschung und kommerzieller Anwendung in Basel. Die Türen stehen offen – Sie müssen nur lernen, wie man anklopft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Erfolg in Basel liegt im Verständnis der lokalen Spielregeln, nicht nur in der Qualifikation auf dem Papier.
  • Spezialisierte Nischen wie regulatorische Angelegenheiten oder Biosicherheit bieten die grössten Karrierechancen, da hier Expertenwissen gefragt ist.
  • Strategisches, persönliches Networking an den richtigen Orten ist entscheidender als Hunderte von Online-Bewerbungen.

Warum entscheiden sich Weltkonzerne wie Google für Forschungszentren in der Schweiz?

Die Anziehungskraft der Schweiz beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Pharmaindustrie. In den letzten Jahren haben auch globale Tech-Giganten wie Google massiv in Forschungszentren in der Schweiz, insbesondere in Zürich, investiert. Dieser Trend ist kein Zufall und für Ihre Karriere im Life-Science-Cluster Basel von entscheidender Bedeutung. Er signalisiert eine tiefgreifende Konvergenz von Technologie und Biowissenschaften, die neue, extrem spannende Berufsfelder schafft.

Die Gründe, warum sich Konzerne wie Google für die Schweiz entscheiden, sind dieselben, die auch das Pharma-Cluster stark machen: politische Stabilität, Rechtssicherheit, ein exzellentes Bildungssystem und vor allem der Zugang zu einem hochqualifizierten, internationalen Talentpool. Die Pharmaindustrie allein trägt laut Interpharma direkt 5.4% zum Schweizer BIP bei, was ihre systemische Bedeutung unterstreicht. Dieses stabile, innovationsfreundliche Umfeld ist der Nährboden, auf dem bahnbrechende Entwicklungen gedeihen.

Wie Xiaobin Wu, Präsident von BeOne Medicines, es auf den Punkt bringt, ist der Zugang zu Talenten der entscheidende Faktor:

Innovation needs talented people. That’s why we decided to set up our European headquarters in Basel.

– Xiaobin Wu, PharmaVoice

Die aufregendste Entwicklung ist die zunehmende Verschmelzung von KI und Biologie. Technologien wie AlphaFold von DeepMind (einer Google-Tochter) revolutionieren die Proteinfaltung und damit die Medikamentenentwicklung. Dies führt dazu, dass Pharmaunternehmen nicht mehr nur Chemiker und Biologen suchen, sondern auch Data Scientists, KI-Spezialisten und Bioinformatiker. Umgekehrt erkennen Tech-Unternehmen das immense Potenzial des Gesundheitssektors. Diese Konvergenz macht Fachkräfte mit interdisziplinärem Wissen, die zwischen diesen beiden Welten übersetzen können, zu den begehrtesten Talenten überhaupt.

Für Ihre Karriere bedeutet das: Denken Sie über die Grenzen Ihrer aktuellen Disziplin hinaus. Die Fähigkeit, technologische und biologische Konzepte zu verbinden, wird in Zukunft der grösste Hebel sein. Die Schweiz, und insbesondere der Raum Basel/Zürich, ist der globale Hotspot, an dem diese Zukunft bereits heute gestaltet wird.

Der nächste Schritt liegt bei Ihnen. Beginnen Sie jetzt damit, Ihren Lebenslauf anhand der Schweizer Standards zu schärfen und Ihren ersten Besuch bei einem der genannten Networking-Events zu planen. Ihre Karriere in Basel wartet nicht.

Geschrieben von Thomas Aebischer, Arbeitspsychologe und HR-Experte, spezialisiert auf New Work, mentale Gesundheit und Karriereplanung. Er coacht Führungskräfte und Berufseinsteiger im Spannungsfeld zwischen Leistung und Resilienz.