Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die Rentabilität einer PV-Anlage ohne Einspeisung hängt nicht vom Kauf eines teuren Speichers ab, sondern von der intelligenten Architektur Ihres gesamten Energie-Ökosystems.

  • Eine an Ihren Verbrauch angepasste Ost-West-Ausrichtung ist oft profitabler als die reine Südausrichtung.
  • Die Kopplung mit einer Wärmepumpe über eine SG-Ready-Schnittstelle kann den Eigenverbrauch mehr als verdoppeln.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihr individuelles Verbrauchsprofil, bevor Sie in Hardware investieren. Die Planung ist entscheidend.

Steigende Strompreise und der Wunsch nach Unabhängigkeit bewegen immer mehr Hausbesitzer dazu, über eine eigene Photovoltaikanlage nachzudenken. Doch seit dem Wegfall oder der Reduzierung der Einspeisevergütung stellt sich eine entscheidende Frage: Lohnt sich die Investition noch? Viele glauben, die Antwort liege allein in einem grossen Batteriespeicher oder der perfekten Südausrichtung der Module. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit und oft nicht der wirtschaftlichste Weg.

Die wahre Rentabilität entsteht nicht durch den Kauf einzelner Komponenten, sondern durch eine ganzheitliche Strategie. Es geht darum, Ihr Haus als ein vernetztes Energiesystem zu verstehen – eine durchdachte Verbrauchs-Architektur zu schaffen. Hierbei werden Stromerzeugung (PV), Heizen (Wärmepumpe) und Mobilität (E-Auto) intelligent miteinander verknüpft. Dieses Prinzip der Sektorenkopplung im Kleinen ist der Schlüssel, um den selbst erzeugten Strom maximal auszunutzen und die Abhängigkeit vom Netz auf ein Minimum zu reduzieren.

Doch wie sieht dieser Weg konkret aus? Es erfordert strategische Entscheidungen, die über die reine Technik hinausgehen und auch rechtliche, bauliche und versicherungstechnische Aspekte umfassen. Statt blind den alten Faustregeln zu folgen, müssen Sie die Hebel kennen, die Ihr System wirklich effizient machen. Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Stellschrauben, von der optimalen Ausrichtung über die clevere Speichernutzung bis hin zur Absicherung Ihrer wertvollen Investition.

In den folgenden Abschnitten beleuchten wir die entscheidenden Aspekte, die Ihre Photovoltaikanlage ohne nennenswerte Einspeisung zu einer echten Goldgrube machen. Entdecken Sie, wie Sie die volle Kontrolle über Ihre Energiezukunft erlangen.

Wie verkaufen Sie Ihren Solarstrom legal an Ihre Mieter?

Die Idee, den eigenen Solarstrom direkt an Mieter zu verkaufen, ist ein hervorragendes Modell, um die Rentabilität einer PV-Anlage zu steigern und gleichzeitig eine attraktive, preisstabile Energieversorgung anzubieten. Angesichts des Booms von Balkonkraftwerken, von denen es laut Marktdaten in Deutschland bald 866.000 mit 0,7 GW Leistung geben wird, ist das Interesse der Mieter an günstigem Solarstrom offensichtlich. Als Vermieter können Sie diesem Bedarf mit einem professionellen Mieterstrommodell begegnen.

Der rechtliche Rahmen in Deutschland bietet dafür klare Wege. Die zentrale Entscheidung liegt in der steuerlichen Behandlung Ihrer Einnahmen aus dem Stromverkauf. Sie müssen wählen, ob Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen oder sich für die Regelbesteuerung entscheiden. Diese Wahl hat weitreichende Konsequenzen für Ihren Verwaltungsaufwand und Ihre finanzielle Bilanz.

Die Kleinunternehmerregelung ist ideal für kleinere Anlagen und geringe Umsätze. Sie ist unbürokratisch, da Sie keine Umsatzsteuererklärungen abgeben müssen. Die Regelbesteuerung hingegen ist bei grösseren Projekten oft vorteilhafter, da sie Ihnen den Vorsteuerabzug auf Betriebsausgaben ermöglicht. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen und hilft Ihnen bei der strategischen Weichenstellung.

Vergleich: Kleinunternehmerregelung vs. Regelbesteuerung bei Mieterstrom
Kriterium Kleinunternehmerregelung Regelbesteuerung
Umsatzsteuer auf PV-Anlage 0% seit 2023 0% seit 2023
Umsatzsteuererklärung Nicht erforderlich Jährlich erforderlich
Verwaltungsaufwand Minimal Höher
Vorsteuererstattung Nicht möglich Möglich für Betriebsausgaben
Lohnt sich ab < 22.000 € Jahresumsatz > 22.000 € Jahresumsatz

Letztendlich verwandelt das Mieterstrommodell Ihre Immobilie von einem reinen Kostenfaktor in eine aktive Einnahmequelle und stärkt die Mieterbindung durch faire und nachhaltige Energiepreise.

Wann lohnt sich der teure Speicher für die Erhöhung des Eigenverbrauchs?

Ein Batteriespeicher wird oft als die Standardlösung zur Steigerung des Eigenverbrauchs angepriesen. Und tatsächlich: Eine PV-Anlage kann laut Analysen den Eigenverbrauchsanteil von durchschnittlich 40 % ohne auf bis zu 80 % mit Speicher steigern. Doch die hohen Anschaffungskosten von 5.000 bis 15.000 Euro machen eine genaue Kosten-Nutzen-Rechnung unerlässlich. Ein Speicher ist nicht immer die wirtschaftlichste Lösung, vor allem wenn man zukunftsorientierte Alternativen betrachtet.

Die Entscheidung für oder gegen einen Speicher hängt von Ihrer individuellen Verbrauchs-Architektur ab. Bevor Sie investieren, sollten Sie andere, kostengünstigere Massnahmen zur Erhöhung des Eigenverbrauchs ausschöpfen. Dazu gehört die gezielte Nutzung von Haushaltsgrossgeräten während der Sonnenstunden, beispielsweise über Zeitschaltuhren oder Smart-Home-Steckdosen. Erst wenn diese Potenziale ausgereizt sind, kommt der Speicher ins Spiel. Doch auch hier gibt es intelligentere Ansätze als den Kauf eines überdimensionierten Systems.

Eine zukunftsweisende Alternative zum stationären Heimspeicher ist die Nutzung des Elektroautos als bidirektionalen Speicher (Vehicle-to-Home, V2H). Moderne Wallboxen ermöglichen es, den tagsüber geladenen Autostrom abends wieder ins Hausnetz einzuspeisen. So wird die ohnehin vorhandene Batterie des Fahrzeugs zum multifunktionalen Energiespeicher und die separate Investition in einen Heimspeicher kann reduziert oder vermieden werden. Die folgende Darstellung verdeutlicht diese beiden konkurrierenden Konzepte.

Moderne Garage mit Elektroauto an bidirektionaler Wallbox neben stationärem Heimspeicher

Wie dieses Bild zeigt, stehen Hausbesitzer vor einer strategischen Wahl. Wenn Sie sich für einen stationären Speicher entscheiden, beginnen Sie mit einem modularen System. Eine kleine Einstiegsgrösse von 2-5 kWh, die später erweitert werden kann, ist oft sinnvoller als eine von Beginn an zu grosse Batterie. Zudem können dynamische Stromtarife genutzt werden, um den Speicher bei günstigen oder sogar negativen Netzstrompreisen zu laden und den Strom bei teuren Spitzenlastzeiten selbst zu verbrauchen.

Ein Speicher lohnt sich also dann, wenn günstigere Optimierungsmassnahmen ausgeschöpft sind und seine Grösse präzise auf den verbleibenden, nicht verschiebbaren Strombedarf in den Abend- und Morgenstunden ausgelegt ist.

Ost-West oder Süd: Warum ist die Mittagssonne nicht mehr das Mass aller Dinge?

Die alte Weisheit „Eine Solaranlage gehört nach Süden“ stammt aus einer Zeit, in der es darum ging, eine maximale Einspeisung zur Mittagszeit zu erzielen. Für den modernen Eigenverbrauch ohne Vergütung ist diese Regel jedoch überholt. Das Ziel ist nicht mehr der maximale Ertrag zu einer bestimmten Stunde, sondern ein Ertragsprofil, das möglichst deckungsgleich mit dem eigenen Verbrauchsprofil ist. Die jährliche Sonneneinstrahlung in Deutschland zeigt zwar ein klares Gefälle mit etwa 1.200 kWh/m² im Süden gegenüber 900-1.000 kWh/m² im Norden, doch die Ausrichtung hat einen grösseren Einfluss auf die Nutzbarkeit des Stroms.

Eine Ost-West-Ausrichtung erzeugt zwar über das Jahr gesehen etwa 10-20 % weniger Strom als eine reine Südanlage, verteilt die Produktion aber gleichmässiger über den Tag. Sie liefert bereits am Morgen Strom, wenn die erste Kaffeemaschine läuft, und vor allem am späten Nachmittag, wenn Sie von der Arbeit kommen, das E-Auto laden und kochen. Diese breite „Ertragsschulter“ passt viel besser zum typischen Verbrauch eines Haushalts und reduziert die Notwendigkeit, teuren Strom aus dem Netz oder einem Speicher zu beziehen.

Die optimale Ausrichtung ist also keine pauschale Entscheidung, sondern richtet sich nach Ihren Hauptverbrauchern. Ihre persönliche Verbrauchs-Architektur gibt die ideale Ausrichtung vor. Der folgende Vergleich zeigt, welche Ausrichtung für welches Nutzungsszenario am sinnvollsten ist und unterstreicht, warum die Analyse des eigenen Lebensstils wichtiger ist als die Himmelsrichtung.

Eigenverbrauchsoptimierung nach Hauptverbraucher
Hauptverbraucher Optimale Ausrichtung Begründung
Wärmepumpe (Winter) Süd (180°) Maximaler Ertrag in den Wintermonaten
E-Auto (Feierabend) West (270°) Höhere Produktion 16-19 Uhr
Home-Office Ost-West Gleichmässige Tagesverteilung
Pool/Klimaanlage Süd (180°) Höchster Ertrag zur Mittagszeit

Die Frage ist also nicht mehr nur „Süd?“, sondern „Wann brauche ich den meisten Strom?“. Die Antwort darauf bestimmt die intelligenteste und damit rentabelste Ausrichtung Ihrer Photovoltaikanlage.

Der Irrtum der Selbstreinigung: Wann müssen Sie die Module putzen lassen?

Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass Solarmodule durch Regen selbstreinigend sind. Das stimmt nur bedingt. Bei ausreichend steilen Dächern mit einer Neigung von über 20 Grad spült der Regen losen Staub und Pollen tatsächlich grösstenteils ab. Doch es gibt hartnäckige Verschmutzungen, die die Leistung Ihrer Anlage schleichend, aber signifikant mindern können. Ein Leistungsverlust von 5 bis 15 % durch Verschmutzung ist keine Seltenheit.

Besonders kritisch sind flach geneigte Dächer, auf denen Wasser stehen bleibt und beim Verdunsten Kalk- und Schmutzränder hinterlässt. In landwirtschaftlichen Gebieten führen Staub, Pollen und Ammoniakdämpfe zu einem klebrigen Film. Auch Vogelkot ist problematisch, da er nicht nur punktuell Schatten wirft (Hotspots), sondern auch säurehaltig ist und die Oberfläche angreifen kann. Die Makroaufnahme zeigt, wie sich diese Partikel auf der Moduloberfläche festsetzen.

Makroaufnahme von Solarmodul-Oberfläche mit sichtbaren Verschmutzungspartikeln im Gegenlicht

Wie die Aufnahme verdeutlicht, bildet sich eine Schicht, die das einfallende Sonnenlicht bricht und reflektiert, anstatt es zu den Solarzellen durchzulassen. Eine regelmässige Sichtkontrolle, am besten nach einer längeren Trockenperiode, ist daher unerlässlich. Bilden sich an den Rändern der Module Moos oder Flechten, oder ist ein sichtbarer Schmutzfilm erkennbar, ist es Zeit für eine Reinigung. Eine professionelle Reinigung ist in der Regel alle zwei bis fünf Jahre sinnvoll, je nach Standort und Neigung. Versuchen Sie niemals, die Module trocken zu reinigen oder mit harten Bürsten und aggressiven Reinigern zu bearbeiten, da dies die empfindliche Anti-Reflex-Schicht dauerhaft beschädigen kann.

Betrachten Sie die Reinigung daher nicht als lästige Pflicht, sondern als wichtigen Teil der Wartung, der die Rentabilität Ihrer Investition über Jahrzehnte sicherstellt.

Das Risiko von Unwetterschäden: Wer zahlt, wenn die Panels brechen?

Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition für Jahrzehnte. Sie auf dem Dach zu installieren ist eine Sache, sie gegen die zunehmenden Risiken durch Unwetter wie Hagel, Sturm und Blitzschlag zu schützen, eine andere. Diese systemische Resilienz ist ein oft unterschätzter Aspekt der Rentabilitätsrechnung. Denn was nützt die beste Anlage, wenn sie nach dem ersten schweren Hagelschauer nur noch Schrottwert hat? Die Absicherung dieses Wertes ist entscheidend, insbesondere da moderne Anlagen extrem günstig Strom produzieren. Wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hervorhebt:

Die Stromgestehungskosten der Photovoltaik lagen im Jahr 2024 bereits unter 10 Cent/kWh

– Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, Studie zu Photovoltaik-Stromgestehungskosten 2024

Dieser niedrige Preis macht jeden Ausfalltag teuer. Eine Standard-Wohngebäudeversicherung deckt oft nur grundlegende Risiken wie Feuer und Sturm ab. Spezifische Gefahren wie Überspannung durch Blitz, Tierbisse (Marder) oder eben Hagelschäden sind häufig nicht oder nur unzureichend abgedeckt. Eine spezielle Photovoltaikversicherung ist daher fast immer die bessere Wahl. Sie bietet eine Allgefahrendeckung, die alle Risiken einschliesst, die nicht explizit ausgeschlossen sind.

Besonders wichtig ist die Prüfung der Vertragsdetails. Eine gute Police sollte nicht nur den Sachschaden am Modul ersetzen, sondern auch den Ertragsausfall während der Reparaturzeit. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, die entscheidenden Klauseln in Ihrem Versicherungsangebot zu prüfen und Ihre Anlage lückenlos abzusichern.

Ihre Checkliste für den PV-Versicherungsschutz

  1. Allgefahrendeckung prüfen: Sind Risiken wie Tierbiss, Bedienfehler oder Vandalismus explizit eingeschlossen?
  2. Ertragsausfallversicherung inkludieren: Ersetzt die Police sowohl entgangene Einspeisevergütung als auch die Ersparnis durch Eigenverbrauch?
  3. Überspannungsschutz bewerten: Gilt der Schutz auch für indirekten Blitzschlag und Überspannungen aus dem Netz?
  4. GAP-Deckung (Neuwertentschädigung) sicherstellen: Gleicht die Versicherung die Lücke zwischen Zeitwert und Neuwert bei einem Totalschaden aus?
  5. Hagelwiderstandsklasse der Module abgleichen: Prüfen, ob die Versicherung die für Ihre Region empfohlene Hagelklasse (z.B. HWK 3) ohne Aufschlag versichert.

Eine robuste Versicherung ist das Fundament, auf dem die Wirtschaftlichkeit Ihrer Anlage auch bei unvorhergesehenen Ereignissen sicher steht.

Der Mythos vom Stromfresser: Wie optimieren Sie die Jahresarbeitszahl?

Die Kombination einer Photovoltaikanlage mit einer Wärmepumpe ist das Herzstück der Sektorenkopplung im Einfamilienhaus. Doch oft herrscht die Sorge, die Wärmepumpe könnte sich als „Stromfresser“ entpuppen und die Ersparnis durch die PV-Anlage zunichtemachen. Das Gegenteil ist der Fall, wenn das System intelligent gesteuert wird. Ziel ist es, den riesigen, selbst erzeugten Stromanteil, der in Deutschland stetig wächst – der Eigenverbrauch von Solarstrom erreichte laut Fraunhofer ISE 12,28 TWh im Jahr 2024 – gezielt für die Wärmeerzeugung zu nutzen.

Der Schlüssel zur Effizienz ist die Optimierung der Jahresarbeitszahl (JAZ). Diese Kennzahl beschreibt das Verhältnis von erzeugter Wärmeenergie zu eingesetzter elektrischer Energie über ein ganzes Jahr. Eine JAZ von 4 bedeutet, dass die Wärmepumpe aus 1 kWh Strom 4 kWh Wärme erzeugt hat. Um diesen Wert zu maximieren, muss die Wärmepumpe dann laufen, wenn der Strom am günstigsten ist – also dann, wenn Ihre PV-Anlage ihn kostenlos liefert.

Moderne Wärmepumpen verfügen über eine sogenannte „SG-Ready“-Schnittstelle (Smart Grid Ready). Diese Schnittstelle ist der entscheidende Kommunikationskanal zwischen Ihrer PV-Anlage und der Heizung. Ein Energiemanagementsystem kann über diesen Kanal der Wärmepumpe signalisieren, dass ein Stromüberschuss vorhanden ist. Die Wärmepumpe nutzt diesen Gratis-Strom dann aktiv, um den Warmwasserspeicher oder den Heizungspufferspeicher über das eigentliche Soll-Mass hinaus aufzuladen. Sie speichert die Sonnenenergie also in Form von Wärme – eine weitaus günstigere Speicherform als eine elektrische Batterie.

Fallbeispiel: Verdopplung der Eigenverbrauchsquote durch SG-Ready

Ein typischer Haushalt mit PV-Anlage und Wärmepumpe ohne intelligente Steuerung erreicht oft nur eine Eigenverbrauchsquote von rund 30 %. Durch die Aktivierung der SG-Ready-Schnittstelle und die Anbindung an ein intelligentes Energiemanagementsystem kann dieser Wert auf über 60 % gesteigert werden. Das System schaltet die Wärmepumpe gezielt bei PV-Überschuss ein, um den Pufferspeicher zu laden. Diese in Wärme „zwischengespeicherte“ Energie steht dann in den Abend- und Morgenstunden zur Verfügung, ohne dass Netzstrom bezogen werden muss. Die Wärmepumpe wird so vom potenziellen Stromfresser zum intelligenten Verbraucher und thermischen Speicher.

Eine Wärmepumpe ist also nur dann ein Stromfresser, wenn sie „dumm“ betrieben wird. Intelligent gesteuert, wird sie zum effizientesten Partner Ihrer PV-Anlage.

Wann werden die klassischen Gletscherrouten für Touristen unpassierbar sein?

Als Ihr Solar-Installateur konzentriere ich mich täglich auf technische und wirtschaftliche Lösungen für Ihr Zuhause. Manchmal jedoch werde ich auch nach den grossen Zusammenhängen gefragt, und es tauchen Fragen auf, die auf den ersten Blick nichts mit Photovoltaik zu tun haben – wie die nach dem Zustand der Gletscher. Diese Frage ist nicht so abwegig, wie sie scheint. Sie zielt auf den Kern der Motivation, die uns alle antreibt: der Wunsch, die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen.

Die schmelzenden Gletscher in den Alpen und weltweit sind eines der sichtbarsten und alarmierendsten Symptome der globalen Erwärmung. Jedes Jahr werden Routen, die einst als sicher galten, durch Gletscherschwund, zunehmende Spaltenbildung und Steinschlag gefährlicher oder gänzlich unpassierbar. Experten prognostizieren, dass viele der kleineren Alpengletscher bereits in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten verschwunden sein könnten. Dies ist keine ferne Zukunftsmusik, sondern eine Entwicklung, die bereits heute das Leben und die Sicherheit im Hochgebirge fundamental verändert.

Was hat das nun mit Ihrem Dach zu tun? Alles. Während der Anblick schwindender Gletscher ein Gefühl der Ohnmacht hervorrufen kann, liegt die wirksamste Antwort für uns als Einzelne nicht in den Alpen, sondern direkt über unseren Köpfen. Jedes Solarmodul, das auf einem Dach installiert wird, ist eine direkte, konkrete und messbare Massnahme gegen die Ursachen des Klimawandels. Es ist die persönliche Energiewende, die in Summe den grossen Unterschied macht.

Die Sorge um die Gletscher ist also nicht nur eine ökologische Frage, sondern auch der stärkste Antrieb, die eigene Energieerzeugung selbst in die Hand zu nehmen und Teil der Lösung zu werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Ausrichtung der PV-Anlage muss zu Ihrem Verbrauchsprofil (Ihrer „Verbrauchs-Architektur“) passen, nicht umgekehrt. Oft ist Ost-West profitabler als Süd.
  • Ein Speicher ist nur eine Option; die intelligente Steuerung von Verbrauchern wie Wärmepumpen (Sektorenkopplung) ist häufig die wirtschaftlichere Strategie.
  • Eine Allgefahrendeckung für Ihre PV-Anlage ist unerlässlich, da sie extrem günstigen Strom produziert und jeder Ausfalltag finanzielle Verluste bedeutet.

Wie rüsten Sie einen Altbau effizient auf Wärmepumpe um, ohne die Radiatoren zu tauschen?

Die Umrüstung eines Altbaus auf eine Wärmepumpe gilt oft als komplex und teuer, vor allem wegen des hartnäckigen Gerüchts, man müsse zwingend alle alten Radiatoren gegen eine Fussbodenheizung austauschen. Das ist in vielen Fällen nicht notwendig. Eine effiziente Umrüstung ist auch mit bestehenden Heizkörpern möglich, wenn man drei entscheidende technische Aspekte beachtet und optimiert.

Erstens: der hydraulische Abgleich. Dies ist die wichtigste und oft vernachlässigste Massnahme. Dabei wird sichergestellt, dass jeder Heizkörper im Haus genau die Wassermenge erhält, die er benötigt. Ohne diesen Abgleich werden nahe an der Heizung gelegene Radiatoren zu heiss, während entfernte Räume kalt bleiben. Der Installateur muss die Wassermengen für jeden Heizkörper berechnen und die Ventile entsprechend einstellen. Nur so kann die Wärmepumpe mit der geringstmöglichen und damit effizientesten Vorlauftemperatur arbeiten.

Zweitens: die Optimierung der Heizkurve. Die Heizkurve regelt, welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe bei einer bestimmten Aussentemperatur erzeugt. In vielen Altbauten ist diese Kurve zu hoch eingestellt. Eine schrittweise Absenkung der Heizkurve in der Steuerung der Wärmepumpe, bis die gewünschte Raumtemperatur gerade noch erreicht wird, senkt den Stromverbrauch erheblich. Jeder Grad weniger Vorlauftemperatur spart etwa 2,5 % Energie.

Drittens können einzelne, unterdimensionierte Heizkörper in kritischen Räumen (z.B. das grosse Wohnzimmer) gezielt gegen moderne Niedertemperatur-Heizkörper oder Gebläsekonvektoren ausgetauscht werden. Diese geben auch bei niedrigeren Vorlauftemperaturen von 45-55 °C noch ausreichend Wärme ab. Es ist also nicht notwendig, das gesamte System zu erneuern. Oft reicht der Austausch von ein oder zwei „strategischen“ Heizkörpern aus, um das ganze Haus fit für die Wärmepumpe zu machen.

Der Umstieg auf eine profitable Eigenstromversorgung und nachhaltige Wärme ist kein Kauf von der Stange, sondern ein massgeschneidertes Projekt. Beginnen Sie mit einer detaillierten Analyse Ihres Verbrauchsprofils und lassen Sie eine professionelle Systemplanung erstellen, um das volle Potenzial Ihres Daches und Ihrer Heizung zu erschliessen.

Häufige Fragen zur Photovoltaik-Anlage

Wie oft sollten Solarmodule in landwirtschaftlichen Gebieten gereinigt werden?

In der Nähe landwirtschaftlicher Betriebe empfiehlt sich eine Reinigung 2-3 mal jährlich aufgrund der erhöhten Staub- und Pollenbelastung, die zu einem hartnäckigen Film auf den Modulen führen kann.

Lohnt sich eine professionelle Reinigung wirtschaftlich?

Ja, in der Regel lohnt es sich. Ab einem messbaren Ertragsverlust von 5-10 % durch Verschmutzung amortisieren sich die Kosten für eine professionelle Reinigung meist innerhalb eines Jahres durch die wiederhergestellte volle Leistung der Anlage.

Welche Versicherung deckt Schäden bei Selbstreinigung?

Vorsicht: Die private Haftpflichtversicherung deckt in der Regel keine Schäden, die bei Tätigkeiten an der PV-Anlage entstehen, da diese oft als Teil des Gebäudes oder als gewerbliche Tätigkeit eingestuft wird. Eine spezielle Photovoltaikversicherung ist hier dringend zu empfehlen.

Geschrieben von Lukas Hegi, Architekt ETH und Immobilienökonom mit Spezialisierung auf nachhaltiges Bauen, Raumplanung und Liegenschaftsbewertung. Er berät Eigentümer bei Sanierungen und Investitionsentscheidungen.