Die Unterscheidung zwischen echtem Erzeuger und reinem Wiederverkäufer liegt nicht im Lächeln des Verkäufers, sondern in der Logistik hinter dem Stand.
- Echte Erzeuger haben oft ein begrenztes Sortiment und „unperfektes“ Gemüse mit Erdresten.
- Wiederverkäufer verraten sich durch genormte Handelsklassen und exotische Ware ausserhalb der Saison.
- Transparenz zeigt sich in der Bereitschaft, detaillierte Fragen zur Anbaumethode konkret zu beantworten.
Empfehlung: Nutzen Sie Ihren nächsten Marktbesuch für eine „Inspektion“ der Kistenetiketten und stellen Sie Fragen zur Lagerung, nicht nur zum Preis.
Der Wochenmarkt ist für viele der Inbegriff von Romantik: bunte Stände, frische Luft und das gute Gefühl, direkt beim Bauern zu kaufen. Doch oft trügt dieser Schein. Viele Stände, die rustikal wirken, sind in Wahrheit reine Umschlagplätze für Grossmarktware, die Sie genauso gut im Supermarkt hätten kaufen können – nur oft zu einem höheren Preis. Die Enttäuschung ist gross, wenn die vermeintlich regionale Tomate denselben langen Weg hinter sich hat wie die Discounter-Ware.
Die üblichen Ratschläge lauten oft: „Schauen Sie nach Saisonware“ oder „Achten Sie auf Schmutz an den Karotten“. Das sind gute Anfänge, aber für eine echte Identifizierung reichen diese Platitüden nicht aus. Auch ein Grossmarkthändler kann seine Ware „rustikal“ präsentieren. Wir müssen tiefer blicken. Wir müssen den Blick schulen – weg von der romantischen Oberfläche, hin zu den logistischen Details: den Etiketten an den Kisten hinter dem Tresen, den Händen des Verkäufers und der Struktur des Sortiments.
Wenn Sie verstehen, wie die Lieferkette funktioniert, werden Sie zum Markt-Inspektor. Sie erkennen, wer morgens um drei Uhr auf dem Feld stand und wer nur beim Grosshändler Kisten geschleppt hat. Dieser Artikel liefert Ihnen die Werkzeuge, um diese Unterscheidung sicher zu treffen und echte Qualität zu identifizieren. Wir analysieren die Indizien, die Ihnen kein Verkäufer freiwillig verrät, aber die offensichtlich sind, wenn man weiss, wohin man schauen muss.
Im Folgenden werde ich Sie Schritt für Schritt durch die Strategien führen, mit denen Sie die Spreu vom Weizen trennen. Wir beginnen bei der direkten Kommunikation und enden bei der Haltbarkeit in Ihrem Kühlschrank.
Der folgende Überblick zeigt Ihnen die genauen Stationen unserer Analyse, damit Sie Ihren nächsten Einkauf strategisch planen können.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur Markt-Transparenz
- Warum lohnt es sich, den Bauer nach seinen Anbaumethoden zu fragen?
- Wie halten Sie den ungespritzten Salat im Kühlschrank länger als einen Tag frisch?
- Wann müssen Sie auf dem Markt sein, um die besten Stücke zu ergattern?
- Das logistische Problem: Wie transportieren Sie Beeren ohne Plastikschale nach Hause?
- Welche Pilze oder Kräuter finden Sie nur auf dem Markt und nie im Laden?
- Der Irrtum, dass „vom Hof“ immer teurer ist als der Supermarkt
- Welches unbekannte Regionalmuseum bietet Weltklasse-Exponate ohne Warteschlange?
- Warum schmecken regionale Zutaten nicht nur besser, sondern sind auch gesünder?
Warum lohnt es sich, den Bauer nach seinen Anbaumethoden zu fragen?
Der direkte Dialog ist Ihr schärfstes Schwert bei der Identifikation echter Erzeuger. Ein Wiederverkäufer kann Ihnen sagen, was das Pfund kostet und vielleicht noch, dass es „lecker“ ist. Ein Erzeuger hingegen kennt die Geschichte hinter dem Produkt. Er weiss, auf welchem Boden die Kartoffel wuchs und warum der Apfel dieses Jahr kleiner ausgefallen ist. Doch Vorsicht: Die Frage „Ist das von Ihnen?“ wird fast immer mit „Ja“ oder einem ausweichenden „Aus der Region“ beantwortet. Sie müssen präziser fragen.
Ein echter Landwirt reagiert auf Fachfragen nicht genervt, sondern mit Stolz. Fragen Sie nach der Sorte, nach den Herausforderungen des Wetters in den letzten Wochen oder nach der Düngung. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer selbst anbaut, kann Ihnen Details zur Bodenpflege nennen, die kein Grossmarkthändler parat hat. Diese Interaktion schafft nicht nur Vertrauen, sondern gibt Ihnen Sicherheit über die Qualität der Ware, die Sie kaufen.
Das folgende Bild illustriert genau diese Art von authentischem Austausch, auf den Sie achten sollten. Es gibt keine versteckten Preisschilder, der Fokus liegt auf dem Produkt und dem Wissen.

Wie Sie auf dem Bild sehen, ist die Interaktion persönlich und fokussiert. Neben dem persönlichen Gespräch geben auch Zertifikate Aufschluss über die Arbeitsweise. Doch „Bio“ ist nicht gleich „Bio“. Die Unterschiede in den Anbaumethoden sind gravierend und wirken sich direkt auf Tierwohl und Bodenqualität aus. Ein Blick auf die Standards hilft, die Antworten des Bauern einzuordnen.
Um die Aussagen des Händlers zu verifizieren, lohnt sich ein Blick auf die Unterschiede der Siegel, wie eine vergleichende Analyse der Verbände zeigt:
| Kriterium | EU-Bio | Bioland | Naturland | Demeter |
|---|---|---|---|---|
| Menge Stickstoffdüngung | Wirtschaftsdünger max. 170 kg/ha pro Jahr, Gesamtmenge unbegrenzt | max. 112 kg/ha pro Jahr, möglichst organischer Dünger vom eigenen Betrieb | max. 112 kg/ha pro Jahr, möglichst organischer Dünger vom eigenen Betrieb | max. 112 kg/ha pro Jahr, durch verpflichtende Tierhaltung stets eigene Düngerproduktion |
| Tierhaltung: Enthornung | kann genehmigt werden | mit Behörden-Genehmigung zulässig, wenn Betäubung erfolgt | nicht empfohlen, je nach Betriebsart erlaubt, Ätzstift verboten | verboten, auch genetisch hornlose Rinder nicht erlaubt |
| Erlaubte Zusatzstoffe (verarbeitet) | 56 | 23 | 22 | 21 (jeweils beschränkt auf Produktgruppen) |
Wenn ein Händler behauptet, nach Demeter-Richtlinien zu arbeiten, ist das kein blosses Marketing-Versprechen, sondern ein streng kontrollierter Prozess. Verstehen Sie diesen Prozess, um die Glaubwürdigkeit einzuschätzen.
Zertifizierungs-Check: Was hinter dem Demeter-Siegel steckt
- Doppelmitgliedschaft: Prüfen, ob der Betrieb sowohl beim Demeter e.V. als auch beim Landesverband Mitglied ist.
- Vertragswerk: Ein Markennutzungsvertrag muss abgeschlossen sein (oft sichtbar durch Urkunden am Stand).
- Jahreskontrolle: Bestätigung durch eine jährliche Prüfung einer unabhängigen Öko-Kontrollstelle.
- Doppelprüfung: Die Ergebnisse werden von zwei separaten Stellen ausgewertet (Vier-Augen-Prinzip).
- Zertifikat: Erst nach diesem Prozess wird das Zertifikat ausgestellt – fragen Sie ruhig danach.
Wer diese Hürden nimmt, produziert mit Leidenschaft und Überzeugung. Doch das beste Produkt nützt nichts, wenn es zu Hause falsch gelagert wird.
Wie halten Sie den ungespritzten Salat im Kühlschrank länger als einen Tag frisch?
Echte Marktware, besonders von kleinen Erzeugern, ist oft unbehandelt. Das bedeutet: keine Wachsschichten, keine Begasung und keine Konservierungsstoffe. Was gesundheitlich ein enormer Vorteil ist, stellt uns bei der Lagerung vor Herausforderungen. Ein Salatkopf, der morgens noch vom Tau benetzt war, kann abends im Kühlschrank bereits welk aussehen, wenn man die physiologischen Prozesse der Pflanze ignoriert. Das Problem ist meist nicht die Qualität der Ware, sondern der „Kälteschock“ und der Feuchtigkeitsverlust in modernen No-Frost-Kühlschränken.
Ungespritzter Salat „lebt“ noch. Er atmet und verliert dabei Wasser. Im Supermarkt wird dies oft durch Plastikverpackungen kompensiert, die ein künstliches Mikroklima schaffen. Wenn Sie lose Ware vom Markt kaufen, müssen Sie dieses schützende Klima selbst simulieren, ohne dabei Fäulnis zu begünstigen. Die Kunst liegt in der Balance zwischen Feuchtigkeit und Luftzirkulation.
Wie die Verbraucherzentrale NRW betont:
Je länger man Salat lagert, desto mehr Vitamine verliert er.
– Verbraucherzentrale NRW, Richtig lagern
Es gilt also, die Zeitspanne kurz zu halten, aber die Bedingungen zu optimieren. Mit den richtigen Handgriffen lässt sich die Lebensdauer auch empfindlicher Sorten wie Pflücksalat oder Rucola deutlich verlängern.
Frische-Plan: So bleibt der Markt-Salat knackig
- Standortwahl: Lagern Sie den Salat im Gemüsefach (kühl und dunkel), fern von der Rückwand.
- Wasch-Timing: Waschen Sie den Salat erst kurz vor dem Verzehr, um Fäulnis durch Restfeuchte zu vermeiden.
- Feuchtigkeits-Trick: Wickeln Sie den Salat in ein feuchtes (nicht nasses) Baumwolltuch oder nutzen Sie einen Behälter mit Luftzufuhr.
- Ethylen-Schutz: Trennen Sie den Salat strikt von Tomaten oder Äpfeln, da diese Reifegase abgeben.
- Realismus-Check: Planen Sie den Verzehr innerhalb von 2-3 Tagen ein – Naturprodukte sind nicht für die Ewigkeit gemacht.
Die beste Lagerung beginnt jedoch schon beim Einkauf. Und hier spielt der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle.
Wann müssen Sie auf dem Markt sein, um die besten Stücke zu ergattern?
Das Timing auf dem Wochenmarkt ist eine strategische Entscheidung, die darüber bestimmt, ob Sie die Filetstücke oder nur die Reste bekommen. Es herrscht der Irrglaube, dass der Marktbesuch eine gemütliche Vormittagsbeschäftigung sei. Für den ambitionierten Käufer, der echte Erzeugerqualität sucht, gelten andere Gesetze. Die Gastronomen und Stammkunden wissen: Die beste Ware wartet nicht.
Wer echte Raritäten sucht – die limitierten Mengen an wildem Spargel, die wenigen Schalen der empfindlichen Walderdbeeren oder das Brot, das noch warm aus dem Ofen kam – muss früh aufstehen. Die „Markt-Inspektoren“ sind oft schon da, während die Stände noch aufgebaut werden. In dieser frühen Phase haben die Erzeuger zudem noch am ehesten Zeit für ein kurzes Fachgespräch, bevor der Ansturm der „Sehleute“ beginnt, die nur schauen und nicht kaufen.
Das folgende Bild fängt diese besondere Atmosphäre ein: die Ruhe vor dem Sturm, wenn die Auswahl noch vollständig ist und der Markt noch den Profis gehört.

Wie das Bild suggeriert, ist der frühe Morgen die Zeit der Klarheit und des Raumes. Kommen Sie hingegen kurz vor Schluss, können Sie zwar Schnäppchen machen („Alles muss raus“), aber bei echten Erzeugern ist die Top-Ware dann oft längst vergriffen. Ein Bauer, der seine Ware selbst produziert, hat keinen unendlichen Nachschub im LKW hinter dem Stand. „Ausverkauft“ ist hier ein Qualitätsmerkmal, kein Mangel.
Doch selbst wenn Sie die beste Ware zur besten Zeit ergattern, stehen Sie vor der nächsten Hürde: Wie kommt alles unbeschadet nach Hause?
Das logistische Problem: Wie transportieren Sie Beeren ohne Plastikschale nach Hause?
Wer auf dem Markt kauft, möchte oft Plastikmüll vermeiden. Doch gerade bei empfindlichen Produkten wie Beeren oder sehr reifen Tomaten stossen wir an logistische Grenzen. Der Supermarkt löst dies durch massive Plastikverpackungen, die das Produkt wie einen Panzer schützen. Auf dem Markt erhalten wir die Ware oft lose oder in dünnen Papiertüten, die bei Druck sofort nachgeben. Die Folge: Zu Hause angekommen, haben wir oft nur noch Mus.
Die Lösung erfordert Vorbereitung. Ein echter Markt-Profi geht niemals ohne sein eigenes „Logistik-System“ aus dem Haus. Das bedeutet starre Behälter für Weiches und Netze für Robustes. Es ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz, der weit über das blosse „Jutebeutel-Tragen“ hinausgeht. Die Vermeidung von Einwegverpackungen ist hierbei ein massiver Hebel.
Daten des Statistischen Bundesamtes unterstreichen die Dringlichkeit: Wir wissen heute, dass in Deutschland jährlich rund 237 kg Verpackungsmüll pro Kopf anfallen. Jeder Einkauf mit eigenem Behälter drückt diese Statistik.
Fallstudie: Der Erfolg von Mehrweg am Boxhagener Platz
Dass Verhaltensänderungen wirken, zeigt der Berliner Wochenmarkt am Boxhagener Platz. Durch die konsequente Einführung von Mehrwegsystemen, wie etwa Pfandbechern, konnten dort rund 60.000 Einwegbecher eingespart werden – das entspricht etwa 750 kg Müll. Dieses Prinzip lässt sich direkt auf Ihren Einkauf übertragen: Fragen Sie aktiv nach, ob Ihre mitgebrachte Dose befüllt werden kann.
Damit Sie nicht vor dem Stand stehen und improvisieren müssen, hilft eine strukturierte Packliste.
Ausrüstungs-Check: Ihr Zero-Waste Markt-Set
- Basis-Transport: Robuster Korb oder Rucksack statt labiler Plastiktüten.
- Notfall-Beutel: Ein gefalteter Stoffbeutel gehört permanent in jede Handtasche oder ins Auto.
- Lose Ware: Mehrwegnetze für Kartoffeln, Äpfel oder Zwiebeln nutzen.
- Frequenz-Regel: Nutzen Sie jeden Beutel so oft wie möglich, um die ökologische Bilanz zu optimieren.
- Schutz-System: Bringen Sie für Beeren oder Pilze feste Dosen mit, ausgelegt mit einem Tuch gegen Nässe und Stösse.
Wenn die Logistik steht, können Sie sich an die wirklichen Spezialitäten wagen – Dinge, die es im Supermarkt schlicht nicht gibt.
Welche Pilze oder Kräuter finden Sie nur auf dem Markt und nie im Laden?
Der Supermarkt ist auf Standardisierung und Masse ausgelegt. Deshalb finden Sie dort Champignons, vielleicht noch Austernpilze, und Kräuter wie Petersilie und Schnittlauch. Die wahre Biodiversität aber zeigt sich auf dem Markt. Echte Erzeuger und Sammler bringen Sorten mit, die nicht transportfähig genug für die industrielle Logistik sind oder deren Erntefenster zu kurz ist.
Nehmen wir das Beispiel der Pilze. Die industrielle Produktion konzentriert sich extrem stark auf eine einzige Art. Eine Analyse der Erzeugung zeigt, dass in Deutschland rund 97,5 % der Speisepilze Champignons sind. Wer Steinpilze, Pfifferlinge oder Krause Glucke sucht, ist auf den Markt angewiesen, wo Sammler ihre Funde anbieten. Diese Exklusivität ist ein starkes Indiz für einen echten Händler mit direktem Bezug zur Natur.
Doch bei Wildsammlungen ist Vorsicht geboten. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – besonders bei Pilzen und Wildkräutern wie Bärlauch, der leicht mit giftigen Maiglöckchen verwechselt werden kann.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt:
Der knoblauchartige Geruch ist ein typisches Erkennungsmerkmal des Bärlauchs.
– Prof. Dr. Andreas Hensel, BfR-Presseinformation
Um sicherzugehen, dass Sie Delikatesse und nicht Gefahr kaufen, sollten Sie folgende Punkte beachten.
Sicherheits-Protokoll: Wildpilze und Kräuter kaufen
- Identifikation: Achten Sie bei Pilzen auf die Stielbasis – sie ist ein entscheidendes Merkmal.
- Vor-Ort-Check: Lassen Sie die Ware nicht blind einpacken; prüfen Sie auf Insektenfrass und Putzzustand.
- Zubereitung: Wildpilze niemals roh essen, sondern immer ausreichend lange und hoch erhitzen.
- Notfall-Plan: Bei Unwohlsein sofort das Giftinformationszentrum kontaktieren; Reste unbedingt aufbewahren.
- Herkunfts-Frage: Fragen Sie explizit nach dem Sammelgebiet und dem Tag der Ernte.
Exklusivität und Qualität haben ihren Preis – oder? Ein hartnäckiger Mythos besagt, dass der Markt immer teurer sei.
Der Irrtum, dass „vom Hof“ immer teurer ist als der Supermarkt
Viele Verbraucher meiden den Wochenmarkt aus Angst vor hohen Preisen. Das ist oft ein Trugschluss, der auf dem Vergleich von Äpfeln mit Birnen beruht. Vergleicht man die Discounter-Ware der niedrigsten Handelsklasse mit handverlesener Bio-Ware vom Markt, gewinnt der Discounter. Vergleicht man jedoch identische Qualität, sieht die Rechnung oft anders aus. Auf dem Markt entfallen teure Zwischenhändler, aufwendige Verpackungen und Marketingkampagnen. Das Geld landet direkt beim Erzeuger.
Zudem „verstecken“ Supermärkte Kosten durch Verschwendung. Perfektion ist teuer. Die Deutsche Umwelthilfe zeigt auf, wie allein durch ästhetische Normen riesige Mengen an Lebensmitteln aussortiert werden, bevor sie den Kunden erreichen. Diese Kosten zahlen Sie an der Kasse mit. Auf dem Markt darf die Gurke krumm sein – sie ist oft günstiger und schmeckt genauso gut. Wer clever einkauft und „Schönheitsfehler“ akzeptiert, spart massiv.
Ein weiterer Kostenfaktor ist unser eigenes Wegwerfverhalten, oft bedingt durch zu grosse Gebinde im Supermarkt. Aktuelle Daten zeigen, dass private Haushalte rund 58 % der Lebensmittelabfälle verursachen. Auf dem Markt kaufen Sie exakt die Menge, die Sie brauchen – sei es eine einzelne Karotte oder drei Kartoffeln. Das senkt den effektiven Preis pro Mahlzeit.
Um die „Markt-Rendite“ zu maximieren, sollten Sie saisonale Spitzen nutzen.
Spar-Strategie: Saisonale Schwemme nutzen
- Saison-Check: Konsultieren Sie einen Saisonkalender vor dem Einkauf.
- Mengen-Kauf: Schlagen Sie bei Haupterntezeiten zu, wenn das Angebot riesig und der Preis niedrig ist.
- Veredelung: Verarbeiten Sie Überschüsse sofort (Einkochen, Fermentieren, Einfrieren).
- Vorrats-Bau: Legen Sie sich einen Basisvorrat an Tomatensauce oder Kompott an, um im Winter teure Zukäufe zu meiden.
- Termin-Planung: Reservieren Sie 2-3 Wochenenden im Jahr fest für Aktionen zum Haltbarmachen.
Wer sich so intensiv mit regionalen Produkten beschäftigt, entwickelt oft auch ein Interesse für die regionale Kultur. Der Markt ist oft nur der Einstieg.
Welches unbekannte Regionalmuseum bietet Weltklasse-Exponate ohne Warteschlange?
Ein echter Marktkenner interessiert sich nicht nur für das Endprodukt, sondern für den Kontext seiner Region. Wenn Sie die alten Apfelsorten auf dem Markt schätzen, werden Sie oft auch Orte lieben, die dieses Wissen bewahren. Abseits der grossen Touristenpfade gibt es in fast jeder Region Freilichtmuseen oder agrarhistorische Sammlungen, die oft völlig unterschätzt werden. Diese Orte sind die „kulturellen Wochenmärkte“: authentisch, unaufgeregt und reich an Substanz.
Oft finden Sie hier genau die historischen Hintergründe zu den Produkten, die Sie gerade gekauft haben. Wie wurde Flachs früher verarbeitet? Welche Getreidesorten waren vor der Industrialisierung heimisch? Viele dieser Museen betreiben sogar eigene Gärten mit alten Sorten („Arche-Gärten“), die man heute mühsam wiederentdeckt. Es ist die perfekte Ergänzung zum kulinarischen Erlebnis: erst schmecken, dann verstehen.
Diese Museen bieten oft Weltklasse-Exponate zur Alltagsgeschichte, ohne dass Sie sich durch Massen drängen müssen. Es ist der „Slow Travel“-Ansatz direkt vor der Haustür. Fragen Sie ruhig Ihren Lieblingsbauern auf dem Markt – oft sind diese Netzwerke eng verknüpft, und er kann Ihnen genau sagen, wo die historischen Wurzeln seiner Produkte zu besichtigen sind.
Am Ende dreht sich aber alles um den Genuss und die Gesundheit. Und hier schliesst sich der Kreis.
Das Wichtigste in Kürze
- Echte Erzeuger erkennen Sie an Details wie Erdreste, Sortenwissen und Saison-Abhängigkeit.
- Frische ist ein logistisches Projekt: Von der richtigen Transportbox bis zur Feuchtigkeitsregulierung im Kühlschrank.
- Der Markt ist nicht per se teurer, wenn man saisonale Spitzen nutzt und bedarfsgerecht einkauft.
Warum schmecken regionale Zutaten nicht nur besser, sondern sind auch gesünder?
Der Geschmack ist oft das erste Argument für den Marktbesuch, doch er ist eigentlich nur der Indikator für etwas viel Wichtigeres: die innere Qualität. Eine Tomate, die rot ist, aber nach Wasser schmeckt, hat meist auch weniger Vitalstoffe. Der Grund liegt in der Reifezeit. Importware wird oft unreif geerntet, um den Transport zu überstehen, und reift künstlich nach. Regionale Ware darf an der Pflanze ausreifen und entwickelt so ihr volles biochemisches Potenzial.
Es geht hierbei nicht nur um Vitamine, sondern vor allem um sekundäre Pflanzenstoffe. Diese Stoffe, die Pflanzen als Abwehr gegen Schädlinge oder als Sonnenschutz bilden, sind für unsere Gesundheit essenziell. Sie entstehen vermehrt in Pflanzen, die im Freiland echten Umweltreizen ausgesetzt waren, statt im geschützten Gewächshaus auf Substrat zu wachsen. Der Geschmack ist komplexer, die Textur anders – und das sehen Sie oft schon mit blossem Auge.
Ein Blick auf die Details – wie hier auf die Struktur gesunder, lebendiger Erde an der Wurzel – verrät mehr über die Qualität als jedes Bio-Siegel.

Wie das Bild zeigt, ist die Verbindung zum Boden entscheidend. Um diese gesundheitlichen Vorteile maximal auszuschöpfen, sollten Sie Ihre Ernährung bunt gestalten. Jeder Farbstoff in Obst und Gemüse steht für eine andere Gruppe wertvoller Substanzen.
Gesundheits-Booster: Sekundäre Pflanzenstoffe im Alltag
- Zeit-Faktor: Kaufen Sie frisch und verzehren Sie zeitnah, um empfindliche Stoffe zu schützen.
- Regenbogen-Prinzip: Kombinieren Sie Rot, Grün, Orange und Violett auf dem Teller für maximale Abdeckung.
- Schalen-Verzehr: Nutzen Sie Randschichten (z. B. beim Apfel), da hier die Konzentration am höchsten ist.
- Zubereitungs-Mix: Essen Sie sowohl Rohkost als auch Gegartes, da manche Stoffe erst durch Erhitzen verfügbar werden.
- Notfall-Lösung: Greifen Sie zu Tiefkühlgemüse, wenn frische Marktware nicht sofort verfügbar ist.
Der nächste Schritt liegt nun bei Ihnen: Gehen Sie beim nächsten Marktbesuch nicht nur einkaufen, sondern gehen Sie auf Inspektion. Suchen Sie das Gespräch, prüfen Sie die Kisten und finden Sie Ihren Stammerzeuger.
Häufige Fragen zum Markteinkauf und Erzeugern
Woran erkenne ich, ob ein Ei wirklich vom Hof stammt?
Achten Sie auf den Erzeugercode direkt auf dem Ei. Die erste Ziffer steht für die Haltung (0=Öko, 1=Freiland), danach folgt der Ländercode (DE). Entscheidend ist aber der Kontakt: Ein echter Erzeuger kann Ihnen sagen, was die Hühner fressen und Ihnen oft Fotos vom Stall zeigen. Wiederverkäufer haben diese Detailinformationen meist nicht.
Muss ich auf dem Markt immer bar zahlen?
Traditionell ja, aber der Wandel ist da. Viele Direktvermarkter nutzen mittlerweile mobile Kartenzahlungssysteme. Dennoch: Bargeld, und vor allem Kleingeld, macht Sie beim Händler beliebt und beschleunigt den Prozess, besonders in den frühen Morgenstunden.
Sind „krumme“ Gemüse weniger gesund?
Nein, im Gegenteil. Optische Makel wie eine krumme Gurke oder eine vernarbte Möhre haben keinen Einfluss auf den Nährstoffgehalt. Oft sind es gerade die robusten Sorten, die nicht der Industrienorm entsprechen, die geschmacklich intensiver sind.