Ein bienenfreundlicher Garten ist keine Frage von Wildwuchs, sondern von intelligentem Design, das Ästhetik und Ökologie vereint.
- Gezielte Pflanzenauswahl schafft ein durchgehendes Nahrungsangebot („Trachtfliessband“) und sorgt für eine ansprechende Optik.
- Effektive Nisthilfen sind oft unsichtbar (offene Bodenstellen) oder architektonische Elemente, keine nutzlosen Baumarkt-Hotels.
- Ein Mähkonzept mit unterschiedlichen Zonen ermöglicht gepflegte Flächen neben blühenden Inseln für Insekten.
Empfehlung: Beginnen Sie nicht damit, alles wuchern zu lassen, sondern ersetzen Sie eine sterile Pflanze durch eine heimische, blühende Staude. Das ist der erste Schritt zu einer funktionalen Ästhetik.
Viele Hobbygärtner stehen vor einem Dilemma: Einerseits möchten sie dem dramatischen Insektensterben etwas entgegensetzen, andererseits passt die Vorstellung einer unkontrolliert wuchernden Wildblumenwiese nicht zum eigenen Wunsch nach einem ordentlichen und ästhetischen Garten. Der Gedanke an einen „Naturgarten“ wird oft fälschlicherweise mit einem ungepflegten, chaotischen Grundstück gleichgesetzt. Man sät eine Tüte Wildblumen, stellt ein Insektenhotel aus dem Baumarkt auf und ist enttäuscht, wenn das Ergebnis eher einer vernachlässigten Brache gleicht als einem lebendigen Paradies.
Doch was, wenn der wahre Schlüssel zu einem summenden, artenreichen Garten nicht im blossen „Laufenlassen“, sondern in gezielten, klugen Designentscheidungen liegt? Ein wirklich bienenfreundlicher Garten ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer durchdachten Planung. Es geht darum, eine strukturierte Wildnis zu schaffen, in der ökologischer Nutzen und eine ansprechende Optik Hand in Hand gehen. Statt auf nutzlose Füllmaterialien in Insektenhotels zu setzen, schaffen wir echte Nistplätze. Statt den gesamten Rasen sich selbst zu überlassen, etablieren wir blühende Inseln in einem gepflegten Rahmen.
Dieser Artikel führt Sie durch die Prinzipien einer solchen funktionalen Ästhetik. Sie werden lernen, wie Sie mit der richtigen Auswahl an Stauden, einem intelligenten Mähkonzept und dem gezielten Fördern von Nützlingen einen Garten gestalten, der sowohl für das Auge als auch für die heimische Tierwelt ein Gewinn ist – ein Ort, an dem sich Mensch und Biene gleichermassen wohlfühlen.
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Für einen tieferen Einblick in die Hintergründe des Insektensterbens und die Dringlichkeit unseres Handelns bietet die folgende Dokumentation des SWR eine eindrückliche und fundierte Zusammenfassung. Sie verdeutlicht, warum jeder einzelne Garten zu einem wichtigen Baustein für den Erhalt der Artenvielfalt werden kann.
In den folgenden Abschnitten finden Sie konkrete, praxisnahe Antworten auf die wichtigsten Fragen. Wir decken auf, welche Pflanzen wirklich helfen, welche gängigen Fehler Sie vermeiden sollten und wie Sie auch auf kleinstem Raum einen wertvollen Beitrag leisten können. Der Weg zum summenden Garten beginnt hier.
Inhaltsverzeichnis: Der Weg zum strukturierten und bienenfreundlichen Garten
- Welche Stauden blühen im Hochsommer, wenn die Bienen hungern?
- Der Fehler mit den Tannenzapfen: Warum 90% der Baumarkt-Hotels nutzlos sind
- Wie oft dürfen Sie mähen, damit der Klee für die Bienen stehen bleibt?
- Wie bekämpfen Sie Blattläuse effektiv ohne Chemie, die Bienen tötet?
- Welche Topfpflanzen bieten Nahrung auf kleinstem Raum in der Stadt?
- Warum tragen nur die Leitkühe den aufwendigen Blumenschmuck?
- Warum sind auch Bio-Lebensmittel nicht zu 100% frei von Umwelteinflüssen?
- Was ist der wirkliche Unterschied zwischen „Bio Knospe“ und EU-Bio?
Welche stauden blühen im hochsommer, wenn die bienen hungern?
Der Frühling ist ein Fest für Bienen. Obstbäume, Weiden und Frühblüher bieten Pollen und Nektar im Überfluss. Doch ab Juni beginnt für viele Insekten eine kritische Zeit: das sogenannte „Sommerloch“. Viele heimische Pflanzen haben bereits verblüht, während die typischen Spätsommerblüher noch auf sich warten lassen. Genau in dieser Phase hungern viele Wildbienen, deren Populationen ohnehin stark bedroht sind. Tatsächlich sind laut aktuellen Erhebungen des NABU über 50% der 560 deutschen Wildbienenarten bereits im Bestand gefährdet. Ein durchdachter Garten schliesst diese Lücke gezielt.
Der Schlüssel liegt in der Schaffung eines lückenlosen Trachtfliessbandes. Anstatt auf exotische, oft nektarlose Züchtungen zu setzen, sollten Sie auf heimische, trockenheitstolerante Stauden zurückgreifen. Diese sind perfekt an unser Klima angepasst und bieten genau die Nahrung, die Wildbienen und andere Bestäuber benötigen. Ein hervorragendes Beispiel ist der Naturgarten der Familie Zwirner in Langenau, der 2024 mit dem Landesnaturschutzpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Hier zeigt sich, wie gezielt gepflanzte heimische Stauden ein Paradies für Insekten schaffen.
Fallbeispiel: Der prämierte Naturgarten Langenau
Familie Zwirner setzt auf eine Kombination aus heimischen Stauden, die nicht nur im Sommer blühen, sondern auch im Winter eine ästhetische Struktur bieten. Pflanzen wie der Natternkopf (Echium vulgare) und die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) locken nicht nur unzählige Wildbienen an, sondern ihre markanten Samenstände dienen Vögeln im Winter als Nahrungsquelle und dem Garten als architektonisches Element. Die Fetthenne (Sedum) wiederum ist ein unverzichtbarer Spätblüher, der bis in den Herbst hinein Nahrung liefert und so das Trachtfliessband perfekt abschliesst.
Um die Sommerlücke zu füllen, eignen sich besonders robuste heimische Stauden, die auch mit den zunehmend trockenen Sommern in Deutschland zurechtkommen. Die folgende Liste zeigt fünf Champions für einen bienenfreundlichen und pflegeleichten Garten:
- Wilder Dost (Origanum vulgare): Blüht von Juli bis September und ist ein wahrer Magnet für Schmetterlinge und Bienen. Er ist extrem trockenheitstolerant.
- Natternkopf (Echium vulgare): Mit seiner leuchtend blauen Blütenpracht von Juni bis September ist er eine der wichtigsten Nahrungsquellen für viele Wildbienenarten, insbesondere für Mauerbienen.
- Fetthenne (Sedum): Diese sukkulente Pflanze bietet nicht nur eine tolle Struktur, sondern ist als Spätsommerblüher überlebenswichtig für die Bienengenerationen des Herbstes.
- Wilde Karde (Dipsacus fullonum): Eine bis zu zwei Meter hohe, architektonische Pflanze, deren Blüten unzählige Insekten anlocken. Die Samenstände sind im Winter eine Zierde.
- Wegwarte (Cichorium intybus): Ein Tiefwurzler, der selbst mit sandigen Böden wie in Brandenburg klarkommt und von Juli bis Oktober mit himmelblauen Blüten erfreut.
Der fehler mit den tannenzapfen: warum 90% der baumarkt-hotels nutzlos sind
Der gut gemeinte Kauf eines Insektenhotels im Baumarkt ist für viele der erste Schritt zum bienenfreundlichen Garten. Doch die Ernüchterung folgt oft schnell: Die vermeintliche Nisthilfe bleibt leer. Der Grund ist einfach: Die meisten dieser Hotels sind schlecht konzipiert und mit nutzlosen Materialien wie Tannenzapfen, Holzschnitzeln oder porösen Ziegeln gefüllt. Diese bieten keinen Nistplatz, sondern im schlimmsten Fall Unterschlupf für Parasiten. Vögel bedienen sich zudem gerne an den ungeschützten Kokons.
Der grösste Denkfehler ist jedoch die Annahme, alle Bienen würden solche Röhren benötigen. Die Realität sieht anders aus: Wie Wildbienenexperten dokumentieren, nisten 75% aller deutschen Wildbienenarten im Erdreich. Sie brauchen offene, sandige oder lehmige Bodenstellen an sonnigen, trockenen Plätzen. Eine kleine, unbewachsene Fläche am Rand eines Beetes ist für die Mehrheit der Wildbienen also weitaus wertvoller als das teuerste Insektenhotel.
Für die restlichen 25 %, die tatsächlich in Hohlräumen nisten, kommt es auf die richtige Nützlingsarchitektur an. Anstelle von Tannenzapfen benötigen sie saubere, glatte Röhren ohne Splitter. Ideal sind markhaltige Stängel (z. B. von Brombeeren, Holunder oder Königskerzen) oder in Hartholz (Buche, Eiche, Esche) gebohrte Löcher mit einem Durchmesser von 2 bis 9 Millimetern. Wichtig: Die Löcher müssen ins Längsholz gebohrt werden, nicht ins Stirnholz, da dieses reisst und die empfindlichen Bienenflügel verletzen würde. Die Bohrgänge müssen hinten verschlossen sein. Eine solche Nisthilfe kann sogar zu einem echten Designobjekt im Garten werden, das Funktionalität und Ästhetik verbindet.

Wie diese Abbildung zeigt, kann eine artgerechte Nisthilfe als moderne Skulptur gestaltet werden. Hier werden gebohrte Eichenpfosten mit lehmgefüllten Abschnitten kombiniert, um verschiedenen Arten einen Lebensraum zu bieten. Eine solche Installation ist nicht nur ein Beitrag zur Artenvielfalt, sondern auch ein Statement für eine funktionale Ästhetik im Garten. Sie beweist, dass Naturschutz nicht ungepflegt aussehen muss, sondern Teil eines durchdachten Gesamtkonzepts sein kann.
Wie oft dürfen sie mähen, damit der klee für die bienen stehen bleibt?
Ein akkurat gemähter, sattgrüner Rasen gilt für viele als Inbegriff eines gepflegten Gartens. Für Bienen und andere Insekten ist eine solche Monokultur jedoch eine Wüste ohne Nahrung. Am anderen Ende des Spektrums steht die komplett verwilderte Wiese, die vielen Gärtnern ein Dorn im Auge ist. Die Lösung liegt, wie so oft, in der Mitte: in einem intelligenten Mähkonzept, das eine strukturierte Wildnis schafft und die Bedürfnisse von Mensch und Tier in Einklang bringt.
Vergessen Sie das starre „Einmal pro Woche“-Mähen für die gesamte Fläche. Der moderne, ökologisch denkende Gärtner arbeitet mit Zonen. Diese Strategie erlaubt es, Bereiche mit unterschiedlicher Intensität zu pflegen und so eine Vielfalt an Lebensräumen zu schaffen, ohne dass der Garten ungepflegt wirkt. Eine klare optische Trennung der Zonen, zum Beispiel durch niedrige Beeteinfassungen aus Stein oder Cortenstahl, sorgt für einen ordentlichen Rahmen.
Fallbeispiel: Das 3-Zonen-Mähkonzept für strukturierte Gärten
Diese bewährte Strategie teilt den Garten in drei Bereiche auf:
- Die Nutz- und Spielfläche: Dies ist der Bereich direkt an der Terrasse oder die Spielfläche für Kinder. Hier wird der Rasen kurz gehalten und etwa einmal pro Woche gemäht, um eine robuste und begehbare Fläche zu erhalten.
- Der Blumenrasen: Inseln oder Streifen innerhalb der Rasenfläche, in denen niedrig wachsende Blühpflanzen wie Gänseblümchen, Klee und Gundermann toleriert werden. Diese Zonen werden nur alle 4 bis 6 Wochen gemäht, oft mit einer höheren Schnitteinstellung (ca. 6-8 cm). So können die Pflanzen blühen und Bienen Nahrung bieten.
- Der Wiesenstreifen: Ein Randbereich des Gartens, vielleicht unter einer Hecke oder am Zaun entlang, der nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht wird (das erste Mal nach der Hauptblüte im Juni/Juli, das zweite Mal im Spätsommer). Hier können sich höhere Wildblumen und Gräser entwickeln, die als Nahrungsquelle und Lebensraum für viele Insekten dienen.
Durch dieses Vorgehen schaffen Sie blühende Oasen, ohne auf einen gepflegten Gesamteindruck verzichten zu müssen. Der Klee darf in den Blumenrasen-Inseln stehen bleiben und blühen, während die Hauptwege kurz und ordentlich sind. Dieses Mosaik aus unterschiedlichen Strukturen ist nicht nur optisch reizvoll, sondern maximiert auch die Artenvielfalt auf Ihrer Fläche. Sie geben der Natur Raum, aber behalten die Kontrolle über das Design.
Wie bekämpfen sie blattläuse effektiv ohne chemie, die bienen tötet?
Ein Befall mit Blattläusen an den Rosen oder am Gemüse lässt viele Gärtner zur chemischen Keule greifen. Doch Pestizide töten nicht nur die Schädlinge, sondern auch deren natürliche Feinde und unbeteiligte Nützlinge wie Bienen und Schwebfliegen. In einem ökologisch geführten Garten geht es nicht darum, Schädlinge auszurotten, sondern ein ökologisches Gleichgewicht zu etablieren, in dem sie auf natürliche Weise in Schach gehalten werden. Der Schlüssel dazu ist die gezielte Förderung von Nützlingen.
Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen und ihre Larven sind die effektivsten und natürlichsten Schädlingsbekämpfer. Eine einzige Marienkäferlarve vertilgt in ihrer Entwicklung bis zu 800 Blattläuse. Statt zu spritzen, besteht die Aufgabe des Gärtners darin, diesen Helfern ein attraktives Zuhause zu bieten. Das gelingt durch eine vielfältige Bepflanzung und das Schaffen von Überwinterungsquartieren. Bestimmte Pflanzen, wie Schafgarbe oder Wilder Fenchel, locken die erwachsenen Nützlinge mit ihrem Nektar an, die dann ihre Eier direkt in den Blattlauskolonien ablegen.

Die Natur hat bereits ein hocheffizientes System zur Schädlingskontrolle entwickelt. Unsere Aufgabe ist es, dieses System zu unterstützen, statt es mit Gift zu zerstören. Indem wir eine kleine, unordentliche Ecke mit einem Laubhaufen oder alten Staudenstängeln belassen, schaffen wir wertvolle Überwinterungsplätze für Marienkäfer. Eine Mulchschicht aus organischem Material auf den Beeten stärkt zudem die Pflanzengesundheit und macht sie widerstandsfähiger gegen Schädlinge. Nur gesunde, kräftige Pflanzen können sich gut gegen einen Befall wehren.
Checkliste: Nützlinge im Garten etablieren
- Nützlingsmagneten pflanzen: Integrieren Sie Doldenblütler wie Wilden Fenchel und Korbblütler wie Schafgarbe in Ihre Beete. Diese ziehen Schwebfliegen und Schlupfwespen magisch an.
- Überwinterungsquartiere anbieten: Belassen Sie im Herbst einen Haufen Laub in einer ruhigen Ecke oder bündeln Sie markhaltige Stängel (z. B. von Brombeeren) als Unterschlupf für Marienkäfer.
- Pflanzen gezielt stärken: Setzen Sie eine Brennnesseljauche an (1 kg frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser, 2 Wochen gären lassen) und spritzen Sie diese 1:10 verdünnt auf die Pflanzen. Das stärkt ihre Abwehrkräfte.
- „Opferpflanzen“ nutzen: Pflanzen Sie Kapuzinerkresse an den Rand Ihrer Gemüsebeete. Sie zieht Blattläuse magisch an und lenkt sie so von Ihren Nutzpflanzen ab.
- Boden gesund halten: Decken Sie offene Erde mit einer 5-10 cm dicken Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Laub ab. Das fördert ein gesundes Bodenleben und robuste Pflanzen.
Welche topfpflanzen bieten nahrung auf kleinstem raum in der stadt?
Nicht jeder hat einen grossen Garten. Doch auch auf einem Balkon oder einer Terrasse in der Stadt kann man einen wertvollen Beitrag für Bienen und andere Insekten leisten. Der Platzmangel erfordert lediglich eine clevere Auswahl und Anordnung der Pflanzen. Anstatt auf Geranien und Petunien mit gefüllten, für Bienen nutzlosen Blüten zu setzen, sollten Sie auf eine Mischung aus heimischen Wildpflanzen und Kräutern in Töpfen und Kübeln zurückgreifen. Das Prinzip des Trachtfliessbandes gilt hier im Kleinen genauso wie im grossen Garten.
Eine besonders clevere Lösung für wenig Grundfläche sind vertikale Gärten oder Pflanzsäulen. Sie nutzen den Raum in der Höhe und ermöglichen es, auf nur einem halben Quadratmeter eine Vielzahl von Pflanzen mit unterschiedlichen Blühzeiten zu kombinieren. So entsteht eine Nahrungsquelle, die vom Frühling bis in den Herbst hinein von Bienen angeflogen wird.
Fallbeispiel: Der vertikale Wildblumengarten für den Stadtbalkon
Eine vom NABU empfohlene Pflanzsäule mit fünf Etagen kann auf 0,5m² bis zu 20 trockenheitsverträgliche Wildpflanzen beherbergen. Eine strategische Bepflanzung sorgt für ein durchgehendes Nahrungsangebot: Unten, wo es feuchter ist, wachsen Glockenblumen. In der Mitte gedeihen sonnenliebende Kräuter wie Thymian und Oregano. Oben, an der trockensten und sonnigsten Stelle, finden hitzeresistente Pflanzen wie Natternkopf und die Kartäusernelke ihren Platz. Diese Kombination schafft ein blühendes Buffet von März bis Oktober.
Ein weiterer Vorteil vieler bienenfreundlicher Balkonpflanzen ist ihr doppelter Nutzen: Sie bieten nicht nur Insekten Nahrung, sondern bereichern auch die menschliche Küche. Kräuter wie Thymian, Lavendel oder Borretsch sind wahre Bienenmagnete und gleichzeitig aromatische Zutaten für Speisen und Tees. Der folgende Überblick, basierend auf einer vergleichenden Analyse von Balkonpflanzen, zeigt einige Doppelnutzen-Champions.
| Pflanze | Blütezeit | Nutzen für Menschen | Bienenmagnet-Faktor |
|---|---|---|---|
| Thymian | Mai-Oktober | Küchenkraut, Tee | ★★★★★ |
| Borretsch | Juni-September | Salat, essbare Blüten | ★★★★☆ |
| Erdbeere ‚Mieze Schindler‘ | April-Juni | Aromatische Früchte | ★★★☆☆ |
| Lavendel | Juni-August | Duftkraut, Tee | ★★★★★ |
| Kapuzinerkresse | Juli-Oktober | Blätter & Blüten essbar | ★★★★☆ |
Warum tragen nur die leitkühe den aufwendigen blumenschmuck?
Als Landschaftsgärtner, der die tiefe Verbindung zwischen Natur, Landwirtschaft und Kultur schätzt, ist der Almabtrieb im Herbst ein faszinierendes Schauspiel. Der prächtige Blumenschmuck, den die Kühe tragen, ist jedoch nicht willkürlich verteilt. Nur die sogenannten Leitkühe oder das gesamte Vieh einer Herde, die einen unfallfreien Sommer auf der Alm verbracht hat, wird auf diese Weise geehrt. Der Schmuck ist also ein Zeichen des Danks und des Stolzes.
Die Leitkuh, oft die erfahrenste und stärkste Kuh, die die Herde anführt, trägt den aufwendigsten Kopfschmuck, die sogenannte „Krone“. Diese besteht traditionell aus Zweigen von Tannen oder Latschenkiefern, die mit handgemachten Blumen aus Papier, Stoff oder Holz, Spiegeln und Glocken verziert sind. Jedes Element hat eine symbolische Bedeutung: Die Glocken sollen böse Geister vertreiben, die Spiegel das Böse abwehren und die immergrünen Zweige Lebenskraft symbolisieren. Der Schmuck ist somit weit mehr als nur Dekoration; er ist ein tief in der alpenländischen Tradition verwurzeltes Ritual.
Gab es während des Sommers auf der Alm einen Unfall – sei es der Tod eines Tieres oder ein Unglück im Stall oder in der Bauernfamilie – findet der Almabtrieb „still“ statt. Die Tiere tragen dann keinen Schmuck, sondern oft nur Trauerflor aus schwarzen Bändern. Die Verteilung des Schmucks ist also ein direkter Indikator für den Erfolg und das Glück der vergangenen Almsaison. Es ist ein sichtbares Zeichen der Hierarchie innerhalb der Herde und ein Ausdruck der engen Beziehung zwischen dem Bauern und seinen Tieren.
Warum sind auch bio-lebensmittel nicht zu 100% frei von umwelteinflüssen?
Der Begriff „Bio“ steht für einen landwirtschaftlichen Produktionsprozess, der auf chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel verzichtet. Viele Verbraucher verbinden damit die Erwartung absoluter Reinheit. Doch diese Vorstellung ist eine Illusion. Auch Bio-Produkte sind Teil eines globalen Ökosystems und können daher Spuren von unerwünschten Stoffen enthalten. Dies schmälert nicht den Wert des biologischen Anbaus, sondern zeigt die Realität unserer vernetzten Welt.
Einer der Hauptgründe ist die sogenannte Abdrift. Werden auf einem konventionellen Nachbarfeld Pestizide gespritzt, kann der Wind diese auf das Bio-Feld wehen. Zwar müssen gesetzliche Mindestabstände eingehalten werden, doch eine hundertprozentige Vermeidung von Kontamination ist unmöglich. Ein weiterer Faktor ist die allgegenwärtige Umweltbelastung. Schadstoffe wie Schwermetalle oder langlebige Chemikalien aus der Industrie sind seit Jahrzehnten in Luft, Wasser und Böden präsent. Pflanzen nehmen diese Stoffe unvermeidbar in geringen Mengen auf, egal ob sie biologisch oder konventionell angebaut werden.
Es ist wichtig zu verstehen, dass „Bio“ in erster Linie einen Prozessstandard und eine landwirtschaftliche Methode beschreibt, keine Garantie für absolute Schadstofffreiheit. Die Grenzwerte für Schadstoffe in Bio-Lebensmitteln sind zwar oft strenger als bei konventionellen Produkten, aber nicht null. Der entscheidende Vorteil von Bio liegt darin, dass der Anbau selbst keine neuen Schadstoffe in die Umwelt einbringt, die Artenvielfalt fördert und die Bodengesundheit erhält. Man entscheidet sich also für ein System, das aktiv versucht, die Umweltbelastung zu minimieren, auch wenn es sich den bereits vorhandenen Einflüssen nicht vollständig entziehen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein gepflegter und bienenfreundlicher Garten ist kein Widerspruch, sondern das Ergebnis intelligenten Designs.
- Ersetzen Sie sterile Zierpflanzen durch heimische Stauden, um ein lückenloses Nahrungsangebot von Frühling bis Herbst zu schaffen.
- Schaffen Sie echte Nistplätze (offener Boden, Hartholz mit Bohrlöchern) anstelle von nutzlosen Baumarkt-Insektenhotels.
- Fördern Sie gezielt Nützlinge als natürliche Schädlingsbekämpfer, anstatt chemische Pestizide zu verwenden.
Was ist der wirkliche unterschied zwischen „bio knospe“ und eu-bio?
Für Verbraucher in Deutschland ist das sechseckige deutsche Bio-Siegel und das grüne EU-Bio-Logo der vertraute Standard. Wer jedoch genauer hinschaut, entdeckt auf manchen Produkten das „Knospe“-Siegel von Bio Suisse. Obwohl beide für biologischen Anbau stehen, gibt es signifikante Unterschiede. Das EU-Bio-Siegel definiert die gesetzlichen Mindeststandards für die gesamte Europäische Union, während die Knospe-Richtlinien des privaten Schweizer Verbands in vielen Bereichen deutlich strenger sind.
Der vielleicht fundamentalste Unterschied liegt im ganzheitlichen Ansatz. Für die Bio Suisse Knospe muss der gesamte landwirtschaftliche Betrieb biologisch bewirtschaftet werden. Eine Umstellung nur einzelner Betriebszweige ist nicht erlaubt. Das EU-Bio-Recht hingegen gestattet unter bestimmten Bedingungen eine Parallelproduktion von Bio- und konventionellen Waren auf demselben Hof, was das Risiko von Vermischung und Kontamination erhöht. Ein weiterer Kernpunkt ist die Biodiversität. Knospe-Bauern sind verpflichtet, mindestens 7% ihrer Fläche als ökologische Ausgleichsflächen (z.B. Hecken, Blumenwiesen) zu bewirtschaften, um die Artenvielfalt aktiv zu fördern. Eine solch strenge prozentuale Vorgabe gibt es im EU-Recht nicht.
Auch bei der Verarbeitung von Lebensmitteln geht die Knospe weiter. Die Liste der zugelassenen Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe ist etwa halb so lang wie die der EU-Bio-Verordnung. Zudem sind besonders schonende Verarbeitungsverfahren vorgeschrieben. Nicht zuletzt stellt Bio Suisse auch soziale Anforderungen an die Betriebe, etwa in Bezug auf faire Arbeitsbedingungen, was im EU-Bio-Standard keine Rolle spielt. Zusammenfassend lässt sich sagen: Während das EU-Bio-Siegel einen soliden und gesetzlich verankerten Mindeststandard für biologische Produkte garantiert, stellt die Knospe in vielen Bereichen die „Spitze des Eisbergs“ dar und erfüllt Anforderungen, die deutlich über das gesetzliche Mass hinausgehen, insbesondere in den Bereichen Ganzheitlichkeit, Biodiversität und Verarbeitung.
Der erste Schritt zu einem lebendigen Garten ist oft der kleinste. Beginnen Sie noch heute damit, eine Ecke Ihres Rasens für vier Wochen nicht zu mähen oder eine einzelne Zierpflanze durch einen blühenden Thymian zu ersetzen. Beobachten Sie, was passiert – Sie werden staunen, wie schnell das Leben zurückkehrt.